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Springbrunnen auf einem Platz im Ort bei sommerlichem Wetter
Marktbesucher bei sommerlichem Wetter

Sehenswertes

Thieplatz & Paulbrink

Man ahnt kaum, dass der große Thieplatz, auf dem sich heutzutage eine ganze Reihe von Veranstaltungen abspielen, noch im 19. Jahrhundert ganz anderen Zwecken diente. Von einladenden Grünanlagen und Wasserspielen fehlte jede Spur. Stattdessen umfasste der damalige Thieplatz (von Tig/Thie/Thing für das Dorfzentrum) auch den heutigen Paulbrink, auf dem der örtliche Schandpfahl (von Pauol für Pfahl) errichtet war.

Viel Geschichte spielte sich hier ab. Schon in grauer Vorzeit fanden sämtliche Versammlungen unter freiem Himmel, eben hier auf dem Thie statt. Dies galt auch für die „Buursprache“ oder „Burstäe“, also die Gerichts- und Gemeindeversammlungen. Eine der wichtigsten Aufgaben früherer Gemeindevorsteher waren nämlich richterliche Entscheidungen. In Laer scheint sich trotz der mit der Zeit schwindenden dörflichen Gerichtsbarkeit der Schandpfahl auf dem Paulbrink noch lange gehalten zu haben. Bestraft wurden u.a. Leibeigene, die ihren Verpflichtungen dem Lehnsherrn gegenüber nicht nachgekommen waren. Aber auch „Weiber mit spitzer und lebhafter Zunge“ blieben damals nicht verschont.

Weiter wird angenommen, dass der Laerer Thieplatz früher reichlich mit Linden bepflanzt war. Die Lindenblüte spielte für die Bienenhaltung und die Honig-Erzeugung eine große Rolle, da es noch keinen Zucker zum Süßen von Speisen und zur Met-Bereitung gab.
In vorchristlicher Zeit soll der Thieplatz auch kultischen Spielen gedient haben. Die in Laer noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts am ersten Ostertag auf dem Thie üblichen Schlagballspiele stellten die letzten Erinnerungen an dieses Brauchtum dar. Damals sammelte man am Thie auch das Holz für das Osterfeuer, welches dann auf dem Blomberg abgebrannt wurde.

Das Dorfzentrum diente aber auch als Übungsplatz für die Bauernwehr, die in den unruhigen Zeiten des Mittelalters zur Selbstverteidigung bestand. Auf diesen Waffendienst geht die noch heute bestehende Schützengilde zurück. Im Rechnungsbuch des Laerer Pfarramtes finden sich verschiedene diesbezügliche Eintragungen.

Leineweber

Als Anfang des 18. Jahrhunderts schließlich die bäuerliche Leinenerzeugung einen größeren Umfang annahm, fand auf dem Thieplatz in Laer gar ein großes Wettspinnen statt, bei dem die schnellste und beste Spinnerin zur Königin gekürt und mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Danach gab es wie auch heute noch häufig an dieser Stelle Spiel und Tanz. Auf diese Hochzeit des Laerer Leinenhandels verweist auch der am Paulbrink befindliche Leineweber. Die Skulptur zeigt einen ganzen Stoffballen Laerer Leinen, welches in der damaligen Zeit bis nach Amsterdam und London verkauft wurde. Noch heute lebendig wird die Leinentradition Bad Laers auf dem jährlichen Leineweber-Markt. Bei dem großen Fest am letzten Septemberwochenende ist traditionell der ganze Ort auf den Beinen. Es wird gefeilscht, was das Zeug hält und ein reiches Rahmenprogramm begeistert die ganze Familie.

Notbrunnen

Eine Besonderheit Laers, an die noch heute eine Holzverschalung am Südrand des Paulbrinks erinnert, stellt der Notbrunnen dar. Dieser wurde nach dem großen Brand von 1767 gebaut und war ursprünglich ein großes, offenes Wasserbecken, zu dem eine Steintreppe hinunterführte. Läutete die Brandglocke vom Kirchturm, kamen die Bewohner mit ihren ledernen Feuereimern und Brandhaken zum Notbrunnen, um mit der bis zum Brandherd reichenden Kette gefüllter Eimer das entstandene Feuer zu löschen wie einst in Schillers „Glocke":

„Durch der Hände lange Kette fliegt der Eimer hoch im Bogen.“

Ein weiterer stiller Zeitzeuge ist der Granit-Findling, dessen oberer Teil seitlich der Anlagen des Paulbrinks mit der Inschrift 1813 – 1913 zu sehen ist. Dabei handelt es sich um die Überreste eines Denkmals, das im Zentrum des Paulbrinks anlässlich des 100-jährigen Gedenkens der Völkerschlacht bei Leipzig aufgestellt wurde, in deren Folge 1813 die leidvolle Zeit der französischen Besatzung , welche in Laer 1803 begann, ein Ende nahm.

Markant ist die Tatsache, dass sich das Siedlungsbild um Thie und Paulbrink im Laufe der Zeit zwar verschiedentlich geändert hat, der Thieplatz jedoch zu den wenigen Stellen im niedersächsischen und westfälischen Siedlungsgebiet gehört, an denen der ursprüngliche Kern noch immer erkennbar ist. So lagen Thieplätze zwar traditionell an den höheren Stellen von Siedlungen, wie es auch in Laer der Fall war. Der Paulbrink markierte hier die höchste Stelle bis erste Planierungen im vorigen Jahrhundert vorgenommen wurden, als man den harten Bad Laerer „Piepstein“ brach und als Baumaterial nach auswärts verkaufte. Dennoch lässt sich der Aufbau der Ortsmitte als Doppelrundling noch immer sehr gut nachvollziehen. Besonders günstig ist, dass auch einige kulturhistorisch wichtige Bauten erhalten wurden wie das Fachwerkhaus Beutelmann, das Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude Richard und das Hotel Storck.

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